Interview: Was Unternehmen auf einer Jobmesse von Bewerbern erwarten
Was Unternehmen sich von einem Auftritt auf einer Jobmesse erhoffen, was Personaler dort von den Bewerbern erwarten und wie groß die Bedeutung von Soft Skills sind, verrät Sehnaz Özden, Leiterin "Personalmarketing und Rekrutierung" bei der Continental AG im Interview mit dem Jobmesse-Radar.
Frau Özden, was versprechen Sie sich als Unternehmen von einem Auftritt auf einer Jobmesse?
Trotz aller - durchaus nützlichen – Möglichkeiten durch das Social Web: Der persönliche Kontakt auf Karrieremessen ist ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Rekrutierungsstrategie. Hier haben wir die Möglichkeit, potentielle Mitarbeiter kennenzulernen und ihnen im persönlichen Gespräch die vielfältigen Möglichkeiten bei Continental aufzuzeigen. Durch einen attraktiven und sympathischen Auftritt präsentieren wir uns als das was wir sind: Einer der attraktivsten Arbeitgeber im Bereich Automotive.
Wie bereiten Sie sich auf eine Jobmesse vor?
Wir sind seit vielen Jahren auf Jobmessen vertreten und haben daher Erfahrungen mit der Planung und Umsetzung. Wir agieren dabei – getreu unserer Unternehmenskultur – überaus dezentral: Ob wir auf einer Jobmesse vertreten sind, entscheiden wir in enger Abstimmung mit unseren Kollegen an den Standorten. Diese stehen in direkten Kontakt mit den lokalen Hochschulen und Institutenzu den ansässigen Universitäten und können daher gut abschätzen, ob wir auf einer bestimmten Jobmesse dabei sein sollten.
Wie stellen Sie Ihr Messeteam zusammen?
Unsere Messeteams sind mit Mitarbeitern aus den Fachabteilungen und Personalern besetzt. Wir achten sehr darauf, dass wir, je nach Art der Messe, zielgruppenspezifisch besetzt sind.
Worin liegen für die Bewerber auf einer Jobmesse die Vorteile gegenüber dem Einreichen der Bewerbung per Post oder Email?
Der größte Vorteil: Der Bewerber hat die Möglichkeit, sich über das Unternehmen zu informieren und mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Gerade durch diesen direkten Kontakt hat er die Chance, etwas über das Innenleben im Unternehmen zu erfahren – und zwar aus erster Hand.
Was ist das erste, was sie von den Standbesuchern wissen möchten?
Das lässt sich pauschal nicht sagen. Oftmals beginnt ein Gespräch mit der Frage nach dem Studiengang. Darauf aufbauend kann man dem Besucher optimal über die - für ihn relevanten - Möglichkeiten im Konzern informieren.
Worauf sollte Ihr Gegenüber beim Gespräch achten und wie kann er einen bleibenden – möglichst positiven - Eindruck hinterlassen?
Da gibt es kein Patentrezept. Wie in allen Lebenssituationen erwarte ich aber von meinen Gesprächspartnern Höflichkeit und Respekt – genauso wie mein Gegenüber das auch von mir verlangen kann. Mein Tipp: Seien Sie authentisch und spielen Sie keine Rolle. So werden Sie garantiert den passenden Arbeitgeber finden, mit dem Sie dauerhaft erfolgreich zusammenarbeiten können.
Inwieweit achten Sie auf die „Soft Skills“ des Bewerbers, die er im Gespräch zeigt?
Soft Skills sind heute ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor – besonders wenn ich an Dinge wie Kommunikations- und Teamfähigkeit denke. Für ein Großteil unserer Stellen gilt: Ist nicht ein Mindestmaß an beiden Fähigkeiten vorhanden, hat es der Studierende schwer, bei Continental Fuß zu fassen.
Teilen Sie ungeeigneten Bewerbern noch auf der Messe mit, wenn sie nicht den Anforderungen entsprechen?
Wenn es sich um eine konkrete Stelle handeln, ist das durchaus denkbar. Das ein angehender Journalist keine Chance auf eine Stelle als Entwicklungsingenieur hat, liegt natürlich auf der Hand. Aber Spaß beiseite: Mit weltweit rund 1.500 zu besetzende Positionen für Hochschulabsolventen und Young Professionals – allein im Jahr 2011 – haben wir interessante Angebote für Studierende nahezu aller Studienrichtungen. Daher wäre es nicht zielführend, wenn wir Bewerbern allein auf Basis eines ersten Eindrucks auf einer Jobmesse eine Absage erteilen.
Wie geht es nach der Jobmesse für den Personaler und die geeigneten Kandidaten weiter?
Wir empfehlen einen Besuch auf unserer Karrierehomepage. Denn da wir keine schriftlichen Bewerbungen annehmen, muss sich der Bewerber hier auf einen Job bewerben. Dieses Verfahren hat sich durchaus bewährt: Transparenz und Fairness ist dadurch garantiert! Der persönliche Kontakt auf einer Jobmesse kann sich aber dennoch zum entscheidenden Vorteil entwickeln. Grund ist unsere dezentrale Struktur. Die Personaler vor Ort sind oftmals diejenigen, die auch die eingehenden Bewerbungen bearbeiten. Hat der Bewerber einen guten Eindruck hinterlassen, hat sich die Chance auf eine Einladung zum persönlichen Gespräch sicherlich nicht verschlechtert.
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